Islam und Umweltschutz

Der Meeresspiegel steigt an, die Gletscher schmelzen, natürliche Ressourcen werden knapp – Umweltthemen nehmen einen immer größeren Raum im Bewusstsein ein. Umweltschutz und Umweltbewusstsein sind längst nicht mehr die Steckenpferde einiger weniger sondern beschäftigen die Politiker und Initiativen weltweit. Im Islam gehört die enge Beziehung zwischen Mensch und Natur seit jeher zum Wertekanon: Als Menschen sind wir von Gott angehalten das natürliche Gleichgewicht zu erhalten und die Natur zu schützen und zu pflegen. Die Grundlagen für die Beziehung zwischen Mensch und Natur finden sich im Koran und in den Überlieferungen des Propheten – Friede und Segen auf ihm - und seiner Gefährten und Gefährtinnen – möge Gott zufrieden mit ihnen sein. Hierbei kristallisieren sich folgende Begriffe heraus:


  • Fitra: die Schöpfung Gottes, die es zu bewahren gilt. 
  • Tauhid: die Einheit der Schöpfung, in der alle Dinge in Beziehung zueinander stehen. 
  • Mizan: das Gleichgewicht der Schöpfung, das einen perfekten Zustand darstellt und deshalb wieder hergestellt werden muss beziehungsweise nicht zerstört werden darf. 
  • Khilafa: die Rolle des Menschen als Sachwalter von Gottes Schöpfung. 
  • Amana: die Verantwortung für die Erde, die zur Erfüllung der Khilafa notwendig ist. 

Muslimische Theologen führen Verse an, in denen vor Verschwendung gewarnt wird, oder sie betonen die Geschichte Salihs, dessen Gemeinde von Gott verpflichtet wurde, das Kamel trotz Ressourcenknappheit nicht in der Versorgung zu vernachlässigen – also das gleiche Recht aller Lebewesen auf gerechte Versorgung, egal wie prekär die Lage ist. Viele rechtliche Bestimmungen im Gesetzeskanon des Fiqh ließen sich aus der Sunna des Propheten ableiten – zum Beispiel der Hima Bereich: dieser ist eine unantastbare Zone, die das natürliche Kapital einer bestimmten Fläche erhalten soll (in der Regel Felder, Tiere und Wälder). Ein weiterer Begriff ist Harim - ein von der Obrigkeit eingerichteter unantastbarer, unverletzlicher Ort, in dem die wirtschaftliche und landwirtschaftliche Nutzung verboten oder stark eingeschränkt ist. Durch diese starke Verankerung des Umweltbewusstseins im Islam wird Entwicklungszusammenarbeit erheblich erleichtert – der gemeinsame Nenner Umweltschutz eignet sich als Grundlage für Zusammenarbeit mit verschiedensten Initiativen.

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